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Wir laden Euch alle herzlich zum Abschlusstraining des Team Berlin 1 am Ostersonntag 08. April 2012 ins Sportforum Hohenschönhausen ein...

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» Peter Liebers - größte Eislauf-Hoffnung

Berlin, 09.09.2006 - Was bringt einen 18-Jährigen dazu, im Glitzerkostüm wie eine Ballerina über das Eis zu schweben? Peter Liebers gilt als größte Nachwuchs-Hoffnung im Eiskunstlauf - ein Schüler, der gegen das Schwulenklischee kämpft und von Idolen wie Katarina Witt nichts wissen will.

Katarina Witt würdigt der 18-Jährige keines Blickes. Gut, die Frau war ein Star, gewann Medaillen, eine Zeit lang. Das aber war damals. Jetzt dreht sie im grauen Pullover im Sportforum Berlin-Hohenschönhausen ihre Runden. Um sie herum nehmen schmale Körper Anlauf, wirbeln durch die Luft, drehen Pirouetten, krachen hin und wieder unsanft aufs Eis. Aus dem tragbaren CD-Player dröhnt laute Musik.

Peter Liebers zuckt mit den Schultern. Katarina Witt ist ihm egal. "Die trainiert hier halt, wir auch, das war's."

Die Eisfläche des Sportforums in Berlin-Hohenschönhausen gehört längst nicht mehr der alten Garde der Eis-Stars wie Witt, die unauffällig ihre Kreise zieht. Sie gehört ehrgeizigen Schülern wie Peter, Mitglied im Bundeskader der Herren. Gerade übt das zart gebaute 60-Kilo-Leichtgewicht das neue Programm. Peter beherrscht alle Dreifachsprünge, noch dieses Jahr will er seinen ersten Vierfachsprung zeigen.

Seine Trainerin, akkurat geschminkt, mit dunklem Pferdeschwanz und rotem Trainingsanzug, klatscht in die Hände, ruft etwas aufs Eis. Die anderen Jungen und Mädchen gleiten an die Bande, während Peter seine Sprünge übt: einen dreifachen Axel in Kombination mit einem dreifachen Toeloop.

Peter Liebers gilt, wie es die Deutsche Eislauf- Union formuliert, als eines der größten Talente im deutschen Eiskunstlauf. Unter Druck setze ihn das nicht, sagt Peter. Er brauche keine Vorbilder, um sich zu motivieren. Mal mit dem Star Kati Witt ins Gespräch zu kommen, sich vielleicht ein paar Tipps geben zu lassen, würde ihm nicht einfallen: "Ich wüsste gar nicht, was wir bereden sollten", meint Peter, während sein Trainingskollege auf dem Eis bei seiner Probe fast mit Katarina Witt kollidiert und abrupt bremsen muss, während die Musik weiterläuft. Es ist Katarina die Große, die sich dafür ausgiebig entschuldigt.

Keine Vorbilder - alles Konkurrenten

Peters fehlender Respekt vor Altmeistern wie Witt passt so gar nicht zu dem, was Eislauf-Funktionäre stets betonen: dass der Nachwuchs Vorbilder brauche, an denen er sich orientieren, zu denen er aufblicken könne. Idole, die der Disziplin den nötigen Glanz verleihen, damit junge Läufer nachziehen wollen. Wie Witt in den Achtzigern und Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler in den Sechzigern. Aber Peter kennt keine Vorbilder. Nur Konkurrenten.

Er sieht jünger aus als 18, doch auf Fragen antwortet er so routiniert, als läge alles, was er vorhat, schon längst hinter ihm. Für die Junioren-Weltmeisterschaft etwa gibt es nur einen Startplatz für Deutschland, die Konkurrenz ist groß. Trotzdem ist sich Peter sicher, dass er diesen einen Platz bekommen wird.

Sein größter Rivale trainiert mit ihm zusammen. "Technisch bin ich im Vorteil. Es gibt einige Sprünge, die ich besser kann als er." Lampenfieber will er nicht kennen und gibt sich betont cool: "Natürlich ist man irgendwie nervös, aber dann läuft man in der Kabine ein bisschen auf und ab, das kriegt man hin." Doch da lächelt er ein bisschen verlegen. Das, was viele für Abgeklärtheit halten, sei in Wirklichkeit Schüchternheit, sagt Peter.
Sechs bis sieben Stunden verbringt er jeden Tag beim Training, zwei bis drei davon tatsächlich auf dem Eis, dazu kommen Ballett und Krafttraining. In den Pausen fährt er mit dem Fahrrad zum Essen nach Hause, die Familie wohnt nur zehn Minuten entfernt. Peter besucht die zwölfte Klasse der Werner-Seelenbinder-Schule, einer speziellen Sport-Schule in Berlin-Hohenschönhausen, auf der er seine Schulzeit auf 14 Jahre strecken kann. So bleibt mehr Zeit für den Sport.

"Das sieht jetzt aber schwul aus"

In den wenigen Verschnaufpausen zwischen Schule und Sport unternimmt Peter etwas mit seiner Freundin, einer 15-jährigen Eiskunstläuferin. Doch als das Pärchen neulich mit den Eltern Urlaub am Plattensee machte, wurden sie unruhig: "Nach zwei Wochen, da ist dann dieser Reiz da, man will wieder unbedingt aufs Eis."

Mit vier Jahren bekam Peter zum ersten Mal Schlittschuhe geschnürt. Sein Vater war Eiskunstläufer in der DDR und brachte Peter und auch dem drei Jahre älterer Bruder Martin seine Eislauf-Begeisterung bei. Der Vater habe aber nie Druck ausgeübt, sagt der Sohn. "Er hat uns gefragt, ob wir damit anfangen wollen, und mischte sich weiter nicht ein." Hat er sich nie Gedanken über das einseitige Leben als Leistungssportler gemacht? Nein, sagt Peter, er wüsste gar nicht, was er nachmittags sonst mit seiner Zeit anfangen sollte.

Wenn Mitschüler über den "Mädchensport" lästern oder alle männlichen Eiskunstläufer "schwul" nennen, lässt Peter das nicht gelten und wehrt sich gegen das Klischee. "Es gibt halt ein paar homosexuelle Läufer, und die fallen besonders auf." Offiziell gibt es keinen deutschen Eiskunstläufer, der sich geoutet hätte. Peter mag keinen Firlefanz und trägt möglichst schlichte Kostüme. "Der Schneiderin sag ich schon mal, das sieht jetzt aber schwul aus, das will ich nicht." Auch ein Dauergrinsen bei der Kür kommt nicht in Frage: "Ich habe noch bei keinem einzigen Wettbewerb auf dem Eis gelächelt. Ich bin viel zu konzentriert."

Nach Peters Training gehen die Eishockeysspieler aufs Eis im Berliner Sportforum. Bullige Gestalten mit Helmen und einem Schutzgitter vor dem Gesicht wetzen über das Eis, schwingen ihre Schläger, brüllen sich Anweisungen zu. Peter beobachtet sie von der Bande. So einen Sport könnte er sich nicht vorstellen - zu roh, zu laut, zu teamorientiert. Lieber schwärmt Peter davon, wie sich die geschmeidigen Bewegungen der Eisläufer zu der Musik fügen, wie von selbst.

Quelle: Spiegel, Von Lisa Zimmermann

 

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